Region Ruhrgebiet


"Das Ruhrgebiet" ist schwer zu fassen:

Im Ruhrgebiet leben 5,3 Mio. Menschen, knapp 30% der Bewohner von Nordrhein-Westfalen auf nur 13% der Landesfläche. Im Regionalverband Ruhr sind 11 kreisfreie Städte und vier Kreise zusammengeschlossen. Eine polyzentrische Struktur, in der die dominante Metropole fehlt. Der Verlauf der Flüsse Ruhr und Emscher von Osten nach Westen ist immer noch für die Siedlungsstruktur und die Erschließung der Region bestimmend.

Mit dem Slogan „Das Ruhrgebiet – ein starkes Stück Deutschland“ versucht die Region eine Neupositionierung und will der langen und tief greifenden Umgestaltung ihrer wirtschaftlichen, städtebaulichen und sozialen Bedingungen Ausdruck verleihen.

Insbesondere das rasante Wachstum des Kohlenbergbaus, der Eisen- und Stahlindustrie sowie der Chemie und Energiewirtschaft hatten die Zahl der Bewohner in der Region ab Mitte des 19. Jahrhunderts (1840 lebten nur etwa 230.000 Menschen in der Region) extrem ansteigen lassen. Das Ruhrgebiet war Lokomotive der deutschen Wirtschaft, und nach dem 2. Weltkrieg „Zugpferd des westdeutschen Wirtschaftswunders“.

Während dieser Wachstumsphase folgte die Stadtentwicklung primär den Bedürfnissen der Wirtschaft. Andererseits kamen der ökonomische Erfolg und Vollbeschäftigung sowie die daraus resultierenden hohen Steuereinnahmen den Kommunen und ihren Bewohnern zu Gute.

Der ökonomische und technologische Wandel hat die Wirtschaftswunderregion hart getroffen. Viele Produkte waren nicht mehr gefragt oder wurden zu geringeren Kosten importiert. Betriebe mußten schließen, Arbeitsplätze gingen verloren. Aber auch heute gibt es im Ruhrgebiet noch höchst erfolgreiche Unternehmen, die als Global Player neue Märkte erschlossen, aber auch Arbeitsplätze an „kostengünstigere“ Standorte verlegt haben.

Die Umwelt war einer der ersten Gewinner des Wandels: die Belastungen von Luft und Wasser sanken deutlich, der Flächenverbrauch wurde umgekehrt, Brachen und Halden konnten begrünt sowie Bäche und ihre Uferbereiche renaturiert werden.

Eine neue Qualität der Umgestaltung, die sich auf ein abgestimmteres räumliches Leitbild und auf soziale, ökologische und kulturelle Zielvorgaben stützen konnte, begann ab 1989 mit der Internationalen Bauausstellung Emscher-Park (IBA).

Obwohl das Ruhrgebiet weit davon entfernt ist, alle seine ökonomischen, ökologischen, städtebaulichen und sozialen Probleme gelöst zu haben, zeigt sich doch an immer mehr Orten, dass sich die industrielle Vergangenheit durch kreative Konzepte in neue Ressourcen und Potentiale für eine nachhaltigere Entwicklung verwandeln läßt. Entstanden sind u.a. außergewöhnliche Gewerbestandorte, Kultureinrichtungen und Wohnsiedlungen. Historische Bausubstanz wurde erhalten und mit neuem Leben erfüllt. Neue qualitätsvolle Architektur setzt bewusste Kontraste.

Bewohner und Besucher der Region werden mit Angeboten wie der → „Route der Industriekultur“ oder der „Route der Industrienatur“ eingeladen, diese überraschende Vielfalt zu entdecken. Am besten tut man dies zu Fuß oder mit dem Rad und nutzt die neuen Wege, die z.B. auf alten Bahntrassen und über ehemals verbotene Gelände entstanden sind und durch anspruchsvolle Brücken vernetzt wurden.

Bei der Nutzung dieses Wegenetzes helfen u.a. ein Beschilderungssystem und ein Radroutenplaner im Internet. So lassen sich auch die anderen Attraktionen, wie die Landmarken und Aussichtspunkte, die Fußballstadien, die Theater und Museen, die historischen Orte und Landschaften und die vielen historischen und zeitgenössischen Parks und Gärten auf einer „Tour de Ruhr“ erleben.