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Laudatio Stiftung Historische Gärten in NiedersachsenEvamaria Küppers-Ullrich (MWEBWV NRW, Ref.IX B 2)
Dies schreibt die Gesellschaft für Historische Gärten in Niedersachsen als Einleitung in ihrer Selbstdarstellung. Dort heißt es weiter: „In der Barockzeit waren es die Residenzgärten der verschiedenen Fürstenhäuser, die eine Vielzahl von Landschlössern und Stadtpalais beeinflussten. Die meisten Gutsparks entstanden vorwiegend im Stil des englischen Landschaftsgartens.“ Für eine große Anzahl der über tausend niedersächsischen wertvollen Gärten und Parks steht –wie hier in Nordrhein-Westfalen- für die Zukunft die Frage einer langfristigen Bestandserhaltung im Mittelpunkt. Viele Besitzer historischer Parkanlagen sind allein kaum in der Lage, ihre historisch bedeutsamen Anlagen langfristig zu erhalten und zu entwickeln. Mit der Gründung der Niedersächsischen Gesellschaft zur Erhaltung Historischer Gärten am 11.November 1994 wurde insbesondere für die privaten Garteneigentümer eine Interessengemeinschaft geschaffen, die ihre Belange in der Öffentlichkeit vertreten kann. Ihr Ziel, die historischen Gärten in Niedersachsen zu erhalten und gegebenenfalls wiederherzustellen, will die Gesellschaft unter anderem erreichen durch: -- die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für die Probleme der qualitätvollen und vielfältigen historischen Gartenanlagen -- die Beratung und Information der Garteneigentümer über Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen Nutzung, über rechtliche wie auch steuerrechtliche Aspekte, über sachgerechte und kostensparende Pflege und Regenerationsmaßnahmen -- die Förderung wissenschaftlicher Forschung und Publikationen zur Gartenkunst und Gartendenkmalpflege, -- sowie durch gartendenkmalpflegerische Gutachten. Man kann die Gesellschaft also als eine Art „Hilfe zur Selbsthilfe“ verstehen, die sich inzwischen eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung erarbeitet hat. Als konsequente und notwendige Ergänzung bzw. Fortführung der erfolgreichen Arbeit der Niedersächsischen Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten e.V wurde im Jahr 1997 die Stiftung Historische Gärten in Niedersachsen gegründet. Durch die Stiftung sollen gartendenkmalpflegerische Arbeiten zur Instandsetzung wertvoller Gärten und Parks gefördert und finanziert werden. Die Stiftung versteht sich als Garant für Qualität und Dauerhaftigkeit in der Gartendenkmalpflege. -- Die initiierten und geförderten Projekte sind stets Erhaltungsmaßnahmen an besonders pflegebedürftigen Gartendenkmalen. Hierbei werden Konzepte gemeinsam entwickelt und die Erschließung der Parkanlagen für die Öffentlichkeit einbezogen. -- Diese Vorhaben sind sorgfältig ausgewählt und vorbereitet und dabei auf ein fachlich hohes Niveau, auf Sparsamkeit der Maßnahmen, auf praktische Realisierbarkeit und langfristige Wirkung ausgerichtet. -- Die Stiftung leistet eine wirkungsvolle Projektsteuerung: Naturschutz, Baurecht, Denkmalschutz etc. werden mit Behörden erörtert und durch Informationen, Koordinierung und Vernetzung werden die notwendigen Genehmigungen eingeholt. -- Die Garteneigentümer werden durch Beratung und Vermittlung weiterer Finanziers bei der Entwicklung von Finanzierungskonzepten unterstützt. Gutachten der Stiftung sind auch für andere Förderinstitutionen sehr hilfreich. -- Um die mit der Realisierung der Vorhaben erreichten Ergebnisse nachhaltig zu sichern, bietet die Stiftung kontinuierliche fachliche Beratung für die Pflege der Gartenanlagen an und führt Überprüfungen der Standards durch. -- Nur geförderte und oder fachlich betreute Gartenanlagen dürfen das Stiftungs-Logo als "Qualitätssiegel" ausweisen. Das Jurymitglied des Europäischen Gartenpreises, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, Klaus von Krosigk –den ich heute mit dieser Laudatio vertreten darf-, sieht in dieser ausdrücklich von privaten Bürgern und Eigentümern getragenen Stiftung und in ihren vorzeigbaren Arbeitserfolgen das Beispiel für die ganze Bundesrepublik. Welchen schweren Stand die Gartendenkmalpflege in Deutschland hat, zeigt auch ein Blick in den Jahresbericht 2009 der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: Dort werden 306 Projekte mit einer Gesamtfördersumme von über 11 Millionen Euro ausgewiesen. Davon fallen in die Kategorie Parks und Staffagebauten nur 3 Projekte mit etwas über 14.000 Euro Fördervolumen. Auch in Nordrhein-Westfalen haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein frühzeitiger und offener Dialog zwischen den Eigentümern, den Denkmalpflegern, den Landschaftsarchitekten, den Fachbehörden, den Politikern und der Öffentlichkeit wichtig ist. Ein solcher Dialog macht es auch möglich, dass historische und zeitgenössische Gartenkunst gut miteinander verbunden werden können, dass Kulturprojekte die wiederhergestellten Parks und Gärten entdecken und bereichern und dass sowohl die Anwohner als auch die Gäste aus der Region aber auch darüber hinaus die neuen Qualitäten wahrnehmen und nutzen. Wir haben in NRW seit gut 10 Jahren mit Programmen wie der REGIONALEN, den Neuen „Alten“ Gärten oder der Gartenlandschaft OstWestfalenLippe mit ihren Rauminszenierungen und Wegen durch das Land beste Erfahrungen gemacht. Das Europäische Gartennetzwerk EGHN hat mit seinen regionalen Routen und seiner internationalen Vernetzung darauf aufgebaut, aber auch neue Impulse und Aufmerksamkeit geschaffen und lokale Unterstützung wachsen lassen. Auch wir versuchen, einen ständigen Wissens- und Erfahrungstransfer durch eine extra eingerichtete „Landesarbeitsgemeinschaft Gartenrouten“ zu gewährleisten. Doch zurück nach Niedersachsen und zur Arbeit der Stiftung für historische Gärten. Zwei der fünf größeren Förderprojekte der Stiftung möchte ich Ihnen kurz vorstellen: -- Auf Gut Walshausen wurde im Klassizismus eine Villa errichtet, die in der Tradition Palladios dem ganzen Gut ein besonderes Flair verleiht - mit einem besonderen Park, der zur Gesamtinszenierung beiträgt. Zur Hofseite entsprach die Neuanlage den Anforderungen an einen repräsentativen und durchgestalteten Herrensitz. Zur Parkseite wurde jedoch viel Intimität und Korrespondenz mit den landschaftlichen Schönheiten der Umgebung entwickelt. Die pflegebedürftige Substanz wurde in den letzten Jahren restauriert. Mit Hilfe eines umfangreichen Pflegeschnitts im Gehölzbestand, Teichentschlammung und teilweiser Wegeinstandsetzung konnte ein drohender Verfall des Gutsparkes gestoppt werden. -- Das zweite Beispiel, der Park von Gut Remeringhausen ist ein hervorragendes Beispiel für die zeittypische Gestaltung kleinerer Gutsanlagen, bei der gestalterisch und funktional eine Symbiose zwischen den ökonomischen Anforderungen eines landwirtschaftlichen Betriebes und den gestalterischen Anforderungen eines Lustgartens gelungen ist. Der Erhaltungszustand 1997 (vor Beginn der Sanierung) war einerseits so gut, dass die wesentlichen Charakteristika der Anlage noch erkennbar waren. Andererseits war der Zustand vieler Einzelelemente so schlecht, dass größere Aufwendungen für eine Substanzsicherung und Erhaltungspflege dringend notwendig waren. Mit den Sanierungsmaßnahmen ist es gelungen, das Gartendenkmal in seiner historischen Substanz und seinen Gestaltungsideen für die nächsten Jahrzehnte zu erhalten und zu sichern. Die einmalige Rückstandspflege hat die Substanz des Objektes in einen Qualitätszustand versetzt, den der Eigentümer künftig mit einer zumutbaren Pflegeleistung selbst erhalten kann. Für die gelungene Sanierungsmaßnahme sind die Eigentümer und das planende Landschaftsarchitekturbüro im Jahr 2000 mit dem Landespreis für Gartendenkmalpflege der Niedersächsischen Sparkassenstiftung ausgezeichnet worden. Die erfolgreiche Arbeit der Stiftung Historische Gärten in Niedersachsen wird mit dem Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck ausgezeichnet. Die Jury verbindet damit auch die Hoffnung, die künftige Arbeit und Unterstützung der Stiftung zu stärken und vielleicht auch die länderübergreifende Zusammenarbeit und –nicht ganz uneigennützig- mögliche Partnerschaft im EGHN zu fördern. Ich
darf jetzt den Vorsitzenden der Niedersächsischen Gesellschaft zur Erhaltung
historischer Gärten, das Präsidiumsmitglied
der Stiftung historischer Gärten, Freiherr von Hake, bitten, die
Auszeichnung in Empfang zu nehmen. |
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