Europäischer Gartenpreis 2010
European Garden Award 2010
Am 6. September wurde vom EGHN und der
Stiftung Schloss Dyck, Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur als
Projektträger des EGHN erstmals der Europäische Gartenpreis verliehen.
Der Europäische Gartenpreis
bewertet mehr als nur spektakuläre Gartenkunst oder die am besten gepflegten
Staudenrabatten. Ganz in der „Tradition“ des EGHN und dessen Kompetenzen und
Zielen entsprechend, ist der Preis breit angelegt und querschnittsorientiert.
Entsprechend interdisziplinär war auch die Jury besetzt (R. Arnold, E. Bennis,
H.-D. Collinet, G. Ericson, K. von Krosigk, S. Lenzen, A. Thornley).
Für die einzelnen Nominierungen
waren z.B. auch innovative Konzepte bei der Realisierung und beim Management,
städtebauliche Aspekte, Fragen der Nachhaltigkeit, besondere Angebote für
Besucher oder bürgerschaftliches Engagement ebenso wichtig wie hohe Qualität bei
der Neuanlage oder Wiederherstellung eines Parks oder Gartens. Die Nominierten
und vor allem die Finalisten und Gewinner sollen Inspiration oder auch Modell
für andere Projekte sein.
Erfahren Sie mehr über
die Finalisten und Gewinner des Europäischen Gartenpreises in diesen vier
Kategorien:
Kategorie 1: Weiterentwicklung historischer Anlagen
 TRENTHAM ESTATE - DIE ALTEN UND NEUEN GÄRTEN VON
TRENTHAM GARDENS
Mit der Auszeichnung für Trentham Estate ehrt
die Jury ein Projekt, das wie kein anderes in Großbritannien und nur wenige in
Europa nahezu verlorene historische Gartenkunst (u.a. Capability Brown, Charles
Barry) rekonstruiert und mit zeitgenössischer Gartenkunst (u.a. Tom
Stuart-Smith, Piet Oudolf) verbindet und zugleich starke städtebauliche, soziale
und ökonomische Impulse setzt.
 In der vom industriellen Wandel stark getroffenen Stadt
Stoke-on-Trent wurden seit 1996 rund 100 Millionen Euro investiert, um eine neue
Freizeit- und Tourismusdestination zu schaffen, in deren Zentrum die Trentham
Gardens stehen. Sicherlich hat dieses nur durch private Investoren (u.a. St.
Modwen Properties, Reitz GmbH) finanzierte Projekt eine deutliche kommerzielle
Ausrichtung, was u.a. durch die Shopping Village, Hotels, Gartencenter etc.
deutlich wird. Die Gärten profitieren hiervon u.a. durch einen sehr guten
Pflegezustand, attraktive Neugestaltungen und Veranstaltungen.
Tom
Stuart-Smith veränderte den Charakter des formalen italienischen Gartens durch
rund 200.000 Pflanzen, die eher dem heutigen Zeitgeschmack entsprechen. Piet
Oudolf schaffte mit der für ihn typischen Verwendung von Gräsern - und Stauden
entlang des Flusses Trent, eine Prärie, die zugleich auch Ruhezonen für Besucher
bietet und die Gefahr der temporären Überschwemmung in ihr Konzept einbezieht.
Trentham Gardens sind zudem sehr aktiv in der Integration der lokalen
Bevölkerung und benachteiligter Gruppen und eine wichtige Arbeits- und
Ausbildungsstätte in der Region.
Mehr Infos: Website des EGHN und Website
von Trentham Estate
Andere Finalisten: Sofiero (Schweden),
Schloss Hof
(Österreich)
Kategorie 2: Zeitgenössische Anlagen

MFO-PARK – URBANER PLATZ IM ENGEN STADTRAUM – EIN
ÜBERTRAGBARES MODELL
Mit dem Park auf dem Gelände der ehemaligen
Maschinenfabrik Oerlikon in Zürich wurde im Jahr 2002 ein bisher einzigartiger,
urbaner Freiraum eröffnet.
Der MFO-Park der Planungsgruppe Burckhardt + Partner
und Raderschall Landschaftsarchitekten AG besteht im Wesentlichen aus einem
präzisen architektonischer Körper von 100 Meter Länge, 35 Meter Breite und 17
Meter Höhe.
 Dieses
Stahlgerüst, wie ein Gewächshaus ohne Scheiben, wird vom üppigen Blattwerk
unterschiedlicher Kletterpflanzen überformt, und ist vom Spiel von Licht und
Schatten sowie flüchtigen Düften erfüllt. Verschiedene Ebenen von der
Platzfläche bis zum Dach, mit ihren Balkonen und Galerien laden zum
dreidimensionalen Spaziergang und zur Rast ein. Die beschattete Grundfläche,
gegliedert durch eine Wasserfläche und Drahtkelche für Kletterpflanzen, wird für
vielfältige Veranstaltungen sowie Sport und Spiel genutzt.
Die Jury ist
nicht nur von diesem einmaligen Entwurf und der breiten Akzeptanz überzeugt,
sondern sieht im MFO-Park auch ein Modell dafür wie urbane Plätze in engen
Stadträumen mehr Platz schaffen können. Nicht zuletzt ist der MFO Park für die
Jury auch eine frühe oder avantgardistische Antwort auf die Frage, wie grüne
Freiräume, Fassaden und Dächer in Zeiten des Klimawandels nachhaltig gestaltet
und bewirtschaftet werden können sowie den Nutzern hohe Aufenthaltsqualität
(z.B. durch beschattete Freiräume) bieten können.
Mehr Infos: Website
der Stadt Zürich
Andere Finalisten: CarlAlexanderPark
(Deutschland), Parc de Diagonal-Mar
(Spanien)
Kategorie 3: Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck
STIFTUNG
HISTORISCHE GÄRTEN IN NIEDERSACHSEN – BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT IN DER
GARTENDENKMALPFLEGE
Für eine große Anzahl der über tausend
niedersächsischen wertvollen Gärten und Parks steht auch für die Zukunft eine
nahezu schicksalhafte Entwicklung bevor. Viele Besitzer sind allein kaum
in der Lage, ihre historisch bedeutsamen Anlagen langfristig zu
erhalten.
 Unterstützung
kommt von der 1994 gegründeten Niedersächsischen Gesellschaft zur Erhaltung
Historischer Gärten, die Garteneigentümern eine Interessengemeinschaft schafft
und deren Belange in der Öffentlichkeit vertritt. Zur Erweiterung des
Tätigkeitsprofils und zur Ermöglichung weitergehender finanzieller und
fachlicher Unterstützung wurde im Jahr 1997 die Stiftung Historische Gärten in
Niedersachsen gegründet. Durch die Stiftung sollen gartendenkmalpflegerische
Arbeiten zur Instandsetzung wertvoller Gärten und Parks gefördert und finanziert
werden.
Die Stiftung versteht sich als Garant für Qualität und Dauerhaftigkeit
in der Gartendenkmalpflege. Zu den Projekten der Stiftung zählen u.a. Arbeiten
in den Parkanlagen von Gut Walshausen, Gut Remeringhausen, Schloss
Wrisbergholzen, Rittergut Westerbrak sowie im Gutspark Eckerde.
Mehr Infos: Website der
Gesellschaft und Stiftung
Andere Finalisten:
Domaine de Chaumont-sur-Loire
(Frankreich), Tatton Park Biennial
(Grossbritannien)
Kategorie 4: Internationaler EGHN Preis
HIGH LINE – EINE GRÜNE ACHSE IM HÄUSERMEER
Zwei Freunde hatten einen Traum: aus einer stillgelegten und vor
sich hinrostenden monströsen Hochbahntrasse mitten in Manhattan wollten sie
einen öffentlichen Park machen - und das bei chronisch leeren Kassen von
New York. 10 Jahre später ist aus dem Traum Wirklichkeit geworden: Wie ein
grüner Teppich zieht sich heute der High Line Park durch die Straßenschluchten
der Metropole.

Auf
der aufgeständerten Bahntrasse, die an mehreren Stellen durch Treppen und
Aufzüge zu erreichen ist, laden heute vielfältigste Pflanzungen, Wege und
Sitzplätze zum Spaziergang und zur Erholung ein. Spaziergänger geniessen die
Aus- und Einblicke auf die Strassen und Gebäude New Yorks, die Sicht auf den
Hudson River mit seinen Piers und zahlreiche Musik- und Kunstevents.
Beispiele für die Umwandlung ehemaliger Bahnstrecken in
Grünanlagen gibt es seit gut 20 Jahren, u.a. in Paris und im Ruhrgebiet. Aber
noch nie wurde eine solche Umnutzung und Neugestaltung so spektakulär und
konsequent umgesetzt wie bei der High Line in New York. Noch nie waren die
Bürger einer Stadt nicht nur Initiatoren und Hauptnutzer, sondern als Friends of
the High Line auch mit der Stadt New York Träger der Maßnahmen und der Anlagen.
Und noch nie haben solche Anlagen, auch nicht in Paris, in so kurzer Zeit so
viele Besucher angezogen und sich zu einer solchen Touristenattraktion
entwickelt wie bei der High Line in New York.
Die Jury des Europäischen Gartenpreises war so begeistert, dass
sie sich während ihrer Sitzung entschieden hat, mit dem "International EGHN
Award" solche einmaligen Projekte auch außerhalb Europas auszeichnen zu können.
Kurz nach der Entscheidung über die Preisvergabe für den ersten Bauabschnitt von
rund 2,5 Kilometer Länge wurde bekannt, dass die Stadt New York der Erweiterung
des Projektes zustimmt. Nun ist kurzfristig eine beachtliche Summe an Spenden
erforderlich, um den Betrieb des Parks, der vom Ausmaß des Erfolges und der
Besucherzahlen überrascht wurde, in der gewohnten Qualität sicherzustellen.
Spendergelder werden noch gesucht.
Mehr Infos: Website der
Friends of the High Line
Fotonachweis | Photo credits: Trentham Estate
(2), Raderschall LA, Stadt Zürich, NGEHG (2), Wikipedia (2)
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